„Das große Geld winkt“ Schalke will Premier-League-Summen

Aufsichtsratschef Axel Hefer erklärt Schalkes Talente-Strategie. Ein Vergleich zeigt, wie viel Geld Premier-League-Transfers einbringen.
Schalke weist noch immer einen nicht gedeckten Fehlbetrag von 96,6 Millionen Euro und Nettoschulden von 116,4 Millionen Euro aus. Transfererlöse bleiben neben dem laufenden Geschäftsbetrieb der wichtigste Baustein der Schuldentilgung. Aufsichtsratschef Axel Hefer hat nun gegenüber der Sport Bild klar formuliert, wo er das größte Potenzial sieht: in der Premier League.
„Das große Geld winkt, wenn die englischen Vereine in den Poker einsteigen. Und die Premier League scoutet in der Bundesliga noch einmal intensiver und ist bereit, andere Summen zu bezahlen“, sagte Hefer. „Größere Transfererlöse verdienen zu können, ist in der ersten Liga realistischer.“ Die Botschaft ist eindeutig: Der Bundesligaaufstieg ist nicht nur sportlich, sondern auch strategisch ein entscheidender Schritt.
Ein Blick auf den vergangenen Transfersommer verdeutlicht das Ausmaß des Unterschieds. Die Premier League gab seit dem 1. Juli 2026 rund 4,12 Milliarden Euro aus, die Bundesliga verzeichnete Ausgaben von 782 Millionen Euro. Das entspricht etwa 527 Prozent der deutschen Transferausgaben.
Der Ligavergleich wird noch deutlicher am Beispiel zweier Aufsteiger: Ipswich Town, ein englischer Aufsteiger ohne die Strahlkraft Schalkes, gab in diesem Sommer 220,65 Millionen Euro aus und verpflichtete unter anderem Weltmeister und Double-Sieger Exequiel Palacios von Bayer Leverkusen. Schalke investierte 2,65 Millionen Euro und der teuerste Neuzugang war Satoshi Tanaka vom Drittligisten Fortuna Düsseldorf.
Knappenschmiede als Hebel, El-Faouzi und Ayhan als Tafelsilber
Hefers Strategie ist deshalb klar: Talente im eigenen Haus ausbilden und dann teuer verkaufen. „Unser großes Faustpfand ist, dass wir seit Jahren bewiesen haben, Talente bei uns schneller zu entwickeln und ins Spielen zu bringen als andere Klubs“, betonte er. Die Knappenschmiede soll dabei eine noch größere Rolle spielen. „Wir sehen, wie gut und erfolgreich unsere Philosophie in der Bundesliga funktioniert. Das auch in der Jugend zu etablieren, halte ich für einen großen Hebel.“

Dass das keine Traumvorstellung ist, zeigen die Marktwerte des aktuellen Kaders. Soufiane El-Faouzi und Mertcan Ayhan werden bereits mit Ablösen von jeweils rund 15 Millionen Euro in Verbindung gebracht, mit dem ersten bevorstehenden Marktwertupdate seit dem Aufstieg und El-Faouzis Marokko-Debüt, dürften beide noch deutlich zulegen.
Schalkes Schulden bleiben zwar bestehen, doch die Ablösesummen auf dem Transfermarkt sind deutlich gestiegen. Genau darin liegt eine Chance für die Entschuldung. Wer heute Bundesliga spielt und gleichzeitig junge Talente entwickelt, kann diese morgen für hohe Ablösesummen in die Premier League verkaufen. Genau darauf setzt Schalke in Zukunft.