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Transferinflation: Wie der gewachsene Markt Schalke in die Karten spielt

Wolf-Dieter Poschmann, Manuel Neuer und Benedikt Höwedes
Foto: IMAGO

Schalkes Verbindlichkeiten stammen aus einer anderen Zeit. Warum der gewachsene Transfermarkt dem Verein strukturell in die Karten spielt.


Schalke 04 weist laut den aktuellen Geschäftszahlen einen nicht gedeckten Fehlbetrag von 96,6 Millionen Euro sowie Nettoschulden in Höhe von 116,4 Millionen Euro aus. Letztere sind im ersten Halbjahr 2025/26 sogar leicht gestiegen. Gleichzeitig erwirtschaftete der Verein einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro und konnte zwei staatlich verbürgte Darlehen im Gesamtwert von 25,4 Millionen Euro zurückzahlen. Das berichtete Sport.de im März. Neben dem laufenden Geschäftsbetrieb bleiben Transfererlöse der wichtigste Baustein der Schuldentilgung.

Hinsichtlich dieser Sanierung liefert der Ablösesummen-Inflationsrechner von football-inflate.top interessante Erkenntnisse. Dieser versucht mithilfe ligaspezifischer Marktentwicklungsfaktoren historische Ablösesummen auf den heutigen Markt umzurechnen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein wissenschaftliches Instrument, sondern um ein Hilfsmittel zur Veranschaulichung. Der Rechner soll schlichtweg zeigen, dass Schalke heutzutage für Starverkäufe wie Leroy Sané, Manuel Neuer und Julian Draxler deutlich mehr Geld zur Schuldentilgung einnehmen würde als damals.

Schalkes Schulden von 96,6 Millionen Euro sind nominal gleich geblieben, der Fußballmarkt jedoch hat sich verändert. Manuel Neuer wechselte 2011/12 für 30 Millionen Euro zu Bayern München. Auf dem heutigen Markt entspräche das laut dem Rechner 116,9 Millionen Euro. Leroy Sanés Wechsel zu Manchester City brachte 2016/17 noch 52 Millionen ein, inflationsbereinigt wären es heute 111,8 Millionen. Julian Draxlers Verkauf an den VfL Wolfsburg entspräche heute ebenfalls 25 Millionen Euro mehr. Mit dem heutigen Markt lässt sich demnach mehr Transfererlös generieren als damals.

El-Faouzi und Ayhan hätten 2011/12 etwa 3-4 Millionen eingebracht

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim heutigen Tafelsilber. Soufiane El-Faouzi und Mertcan Ayhan werden nach dem Bundesligaaufstieg jeweils mit Ablösesummen von etwa 15 Millionen Euro in Verbindung gebracht. Umgerechnet entspräche das zur Neuer-Ära 2011/12 lediglich rund 3,8 Millionen Euro. Zur Draxler-Ära wären es 8,2 Millionen Euro gewesen, zur Sané-Zeit etwa sieben Millionen. Was heute als moderate Ablöse gilt, war damals schlicht undenkbar.

Manuel Neuer und Miroslav Klose
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Ein weiteres Beispiel für den aufgeblasenen Markt ist Leipzigs Yan Diomande. Der Ivorer wechselte vergangenen Sommer nach 542 Minuten in seiner Profikarriere für 20 Millionen Euro zu RB und soll nach einer Bundesligasaison etwa 100 Millionen Euro kosten. Wer heute sein Tafelsilber verkauft, erhält dafür nominal deutlich mehr als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Dennoch wird der Transfermarkt allein Schalkes Probleme nicht lösen, und so ist sparsames Wirtschaften weiterhin zwingend notwendig. Außerdem hat Schalke in den vergangenen Wochen zahlreiche lukrative Sponsoren und Partner gewinnen können, die dem Aufsteiger mehr finanziellen Spielraum geben dürften. Und weiterhin können die Mitglieder bei der Fördergenossenschaft zeichnen.