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Report: Die intensiven Verflechtungen von Schalkes Ex-Boss Tönnies mit Putins Russland

Gazprom
Foto: imago images

Nicht alle, aber doch große Teil der Anhängerschaft von Schalke 04 dürften froh sein, dass Clemens Tönnies, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender des Clubs, mittlerweile Geschichte ist. Zwar ist eine seiner Firmen noch Nebensponsor auf Schalke, Einfluss kann er aber zumindest keinen direkten mehr auf die Geschicke des Vereins nehmen. Jetzt wird genauer bekannt, wie sehr Tönnies Einfluss in Deutschland für russische Interessen nahm.


In einem ausführlichen Beitrag, den sich niemand an Schalke Interessierter entgehen lassen sollte, berichtet n-tv von den Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters, die sich den Verflechtungen Tönnies‘ und auch Schalkes mit Gazprom und somit mit dem russischen Staat angenommen hat.

Ein echter Wirtschafts-Polit-Krimi ist es, der sich da entfaltet. Dabei war die ganze Zeit klar, dass Gazproms Sponsoring des FC Schalke 04 keine konkreten Marketing-Interessen verfolgen konnte. Vielmehr ging es die ganze Zeit darum, Lobbyarbeit für Russland zu betreiben. Und für diese Zwecke kam Schalke 04, das zu Beginn der Partnerschaft in argen Schulden steckte, gerade recht. Denn die Darlehen und üppigen Sponsoringgelder von Gazprom halfen dem Verein aus der Patsche. Vermittelt von Altkanzler Schröder kam es schließlich zur Besiegelung der Zusammenarbeit, inklusive durch die Presse wanderndem Foto von Clemens Tönnies, wie er Putin ein Schalke-Trikot überreicht.

Somit trafen ab sofort deutsche Spitzenpolitiker in der Schalker Gazprom-Loge auf Gazprom-Funktionäre. So waren dort z. B. der frühere Bundespräsident Christian Wullf oder der spätere Außenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dort zugegen. Auch Ex-Außenminister Sigmar Gabriel, für kurze Zeit sogar Berater beim Fleischkonzern Tönnies, wurde dort gesichtet.

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Deutsche Politprominenz in Schalkes Gazprom-Loge zu Gast

Doch nicht nur Schalke 04 profitierte von diesem außerordentlich gut dotierten Deal. Auch Tönnies‘ Unternehmen erhielten die Chance, sich in Russland zu betätigen. Dies geschah im von sehr fruchtbarem Land umgebenen Belgorod, das dem Unternehmen Tönnies dafür Grundstücke zur Verfügung stellte.

Selbst die völkerrechtswidrige Annexion der Krim ließ die Beziehungen kaum erkalten, auch dann nicht, als sich im Verein Schalke 04 immer mehr Widerstand regte. Erst mit dem Einmarsch in die Ukraine brachen sowohl Schalke als auch Clemens Tönnies komplett mit Gazprom und Putins Regime. Tönnies distanzierte sich eindeutig vom Angriffskrieg, auf Schalke wurden trotz enormer finanzieller Einbußen alle Bezüge zu Gazprom gekappt.

Immerhin: Heute Tönnies beschäftigt in seinen Betrieben etliche Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor der Invasion durch Putins Russland nach Deutschland geflohen sind. Die ausführlichere Zusammenfassung der Reuters-Recherchen liest man hier.

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