Ex-Schalker Scienza über Spygate-Wut und Rückkehr-Wunsch

Scienza verpasste durch die Spionage-Affäre den Premier-League-Aufstieg. Im Interview spricht er über Wut und den Traum einer S04-Rückkehr.
Léo Scienza hat in seiner Karriere einiges erlebt, aber die vergangene Saison dürfte selbst für den Brasilianer außergewöhnlich gewesen sein. Nach seinem neun Millionen Euro teuren Wechsel vom 1. FC Heidenheim zum FC Southampton lieferte der 27-Jährige eine starke Saison ab, sieben Tore und zehn Vorlagen in 44 Partien, Platz in den Top 20 der Championship-Scorer und ein vervierfachter Marktwert von drei auf zwölf Millionen Euro. Sein Verein war kurz davor in die Premier League aufzusteigen, dann der Supergau.
Southamptons deutscher Trainer Tonda Eckert ließ gegnerische Trainingseinheiten ausspionieren, was die englische Fußball-Liga mit harten Konsequenzen ahndete. Der Klub wurde aus den Championship-Playoffs ausgeschlossen und erhielt zudem vier Punkte Abzug für die neue Saison. Der sportlich verdiente Aufstieg in die Premier League war damit vom Tisch.
Scienza beschreibt die Reaktion der Mannschaft im Transfermarkt-Interview offen: „Wir waren alle sehr wütend, enttäuscht und auch frustriert. In so einem Moment gehen einem viele Gedanken durch den Kopf.“ Laut The Athletic zogen die Spieler sogar rechtliche Schritte gegen den eigenen Klub in Erwägung. Scienza betonte jedoch, dass sich seine Meinung über Trainer Eckert als Mensch nicht verändert habe: „Jeder macht Fehler, und am Ende muss man mit den Konsequenzen leben.“
Schalke-Rückkehr von Léo Scienza?
Trotz des bitteren Saisonendes blickt Scienza nach vorne. Er sieht sich selbst noch nicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere: „Ich bin eher ein Spätzünder. Mit 22 hatte ich meine erste richtige Chance auf Schalke, und meine erste Profisaison habe ich erst mit 25 gespielt. Ich bin überzeugt, dass meine beste Zeit noch vor mir liegt.“ Bis 2028 ist er noch an Southampton gebunden, will aber offen mit dem Verein über seine Zukunft sprechen. Das erklärte Ziel bleibt die Premier League.

Besonders emotional wird Scienza, wenn das Gespräch auf Schalke kommt. Zwischen 2020 und 2022 spielte er für die U23 der Knappen, schaffte den Sprung ins Profi-Team aber nicht. „Das Einzige, was ich in meiner Karriere nicht wollte, war Schalke zu verlassen. Ich war sehr traurig darüber, weil ich als Schalke-Fan unbedingt bei meinem Herzensverein bleiben wollte“, sagte er. Sein größter Traum bleibt dabei konkret: „Mein größter Traum im Leben ist es, irgendwann für ein Jahr in der Veltins-Arena als Profi aufzulaufen.“ Und sollte Schalke den Hörer in die Hand nehmen? „Wenn Schalke anrufen sollte, würden wir reden müssen.“