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Kenan Karaman bei Schalke: Das hat ihn gewundert

Kenan Karaman
Foto: IMAGO

Am 2. Mai 2026 traf Kenan Karaman gegen seinen Ex-Verein Fortuna Düsseldorf das entscheidende 1 :0 — und schoss den FC Schalke 04 damit zurück in die Bundesliga. Dieses Tor ist mehr als ein statistisches Ereignis. Es ist der Höhepunkt einer Entwicklung, die 2022 begann, als Karaman ablösefrei nach Gelsenkirchen wechselte. Seitdem hat er sich nicht nur als Torjäger etabliert, sondern als Anführer — auf und neben dem Platz.


Karamans Weg zum Kapitän des FC Schalke 04

Am 1. September 2022 unterschrieb Karaman in Gelsenkirchen. Kein Ablösegebühr, kein großes Spektakel — und doch war dieser Transfer ein Wendepunkt. Der Stürmer, geboren am 5. März 1994 in Stuttgart und 189 cm groß, brachte Erfahrung aus der Bundesliga, der 2. Liga und der UEFA-Champions League mit. Sein Weg war alles andere als geradlinig, auch geprägt von Erfahrungen rund um das Thema Wetten Schweiz.
Von den Jugendstationen beim MTV Stuttgart, beim VfB Stuttgart und den Stuttgarter Kickers über die TSG 1899 Hoffenheim — wo er am 2. März 2014 gegen den VfL Wolfsburg sein Bundesliga-Debüt gab — bis hin zu Hannover 96: Karaman kannte beide Seiten des Fußballs. Mit Hannover absolvierte er 87 Spiele und erzielte 10 Tore, stieg 2016 ab und feierte 2016/17 den direkten Wiederaufstieg. Diese Resilienz prägte ihn.

Danach folgten 69 Spiele und 16 Tore für Fortuna Düsseldorf (2018–2021), ein weiterer Abstieg 2019/20, dann eine Station bei Beşiktaş Istanbul — wo er im Januar 2022 den türkischen Supercup gegen Antalyaspor gewann. Wer so viel erlebt hat, weiß, was Druck bedeutet. Und genau das machte ihn wertvoll für Schalke.

Anfang Juli 2024 verlängerte er seinen Vertrag bis Juni 2028 und übernahm die Kapitänsbinde — nachdem Simon Terodde seine Karriere beendet hatte. In der Saison 2023/24 war Karaman mit 13 Toren und 9 Vorlagen der unangefochtene Top-Scorer der Schalker. Diese Zahlen sprechen für sich.

Was Karaman bei Hasan Kurucay wirklich überrascht hat

Paul Pöpperl, Mittelfeldspieler bei Schalke 04, berichtete von einem Moment, der vieles erklärt. Vor dem Auswärtsspiel in Düsseldorf — das die Schalker mit 2 :0 gewannen — nahm Karaman ihn zwei bis drei Minuten zur Seite. Er sagte ihm, dass die Mannschaft ihn brauche und dass Fehler nicht so schlimm wären. Kein großes Motivationsritual, keine Aufführung — sondern ein menschlicher Moment.

Was Pöpperl dabei besonders überraschte: Nicht nur Karaman, sondern auch Trainer Miron Muslic, Nikola Katic und Hasan Kurucay gaben ihm diese Unterstützung. Der 22-Jährige hatte schwierige Monate hinter sich — Leihen zu VVV Venlo und Viktoria Köln, dann die Rückversetzung in die U23 im Sommer 2025. Umso mehr traf ihn dieses kollektive Vertrauen.

Was Karaman bei diesem Umfeld am meisten gewundert habe, lässt sich aus Pöpperls Schilderungen ableiten: die Selbstverständlichkeit, mit der bei Schalke junge Spieler aufgefangen werden. Für jemanden, der selbst eine holprige Karriere kannte, ist das keine Kleinigkeit.

Pöpperl stand beim Auswärtssieg in Düsseldorf erstmals in der Startelf. Sein Profidebüt hatte er gegen Paderborn erlebt — und der Sprung vom Regionalliga-Fußball zur 2. Liga ist enorm. Dass Karaman und das gesamte Mannschaftsgefüge ihm diesen Druck abnahmen, zeigt, welche Teamkultur in Gelsenkirchen gewachsen ist.

Der Weg zurück in die Bundesliga — und was jetzt zählt

Karamans Nationalmannschaftskarriere begann am 9. November 2017 mit einer 2 :0-Niederlage gegen Rumänien. Er durchlief zwischen 2012 und 2016 alle Jugendmannschaften des Türkischen Fußballverbands von der U18 bis zur U21 — insgesamt 25 Spiele. Bis Ende 2021 bestritt er 31 Länderspiele, war Teil des Kaders bei der Europameisterschaft 2020 und gehörte im Juni 2023 erneut dem türkischen Aufgebot an.

Diese internationale Erfahrung macht den Unterschied. Wer Champions-League-Partien mit Beşiktaş gespielt hat, begegnet Drucksituationen in der 2. Bundesliga anders — ruhiger, klarer.

Folgende Stationen haben Karaman zu dem Spieler geformt, der er heute ist:

  1. Jugendausbildung beim VfB Stuttgart — technisches Fundament
  2. Erste Profi-Schritte bei TSG 1899 Hoffenheim — Bundesliga-Realität
  3. Abstiege und Aufstiege mit Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf — mentale Härte
  4. Europacup-Erfahrung bei Beşiktaş Istanbul — internationales Format
  5. Kapitänsrolle beim FC Schalke 04 — volle Verantwortung

Pöpperls Wunsch, seinen Vertrag bei Schalke zu verlängern, klingt angesichts dieser Atmosphäre nur logisch.

Bleibt die Frage, was der Aufstieg mit dem Führungsteam um Karaman macht. Mehr Druck, höheres Tempo, stärkere Gegner — die Bundesliga verzeiht wenig. Karamans Wert liegt jetzt gerade darin, dass er junge Talente wie Pöpperl nicht fallen lässt, wenn der Gegenwind stärker wird. Das ist die eigentliche Aufgabe eines Kapitäns.