Mehr Fehlpässe? Mulder überrascht mit Schalke-Ansage

Der FC Schalke 04 tut sich im Offensivspiel weiter schwer und wirkt trotz spätem Punktgewinn ideenlos. Direktor Youri Mulder fordert deshalb mehr Mut – selbst auf die Gefahr hin, bewusst Fehlpässe zu spielen.
Trotz eines späten 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern bleiben die strukturellen Probleme beim FC Schalke 04 offensichtlich. Lange Zeit präsentierten sich die Königsblauen ideenlos im Offensivspiel, erst die Einwechslung von Edin Dzeko brachte spürbaren Schwung.
Über den Punktgewinn konnte sich Schalke zwar freuen, doch die Leistung davor war erneut ernüchternd. Schon beim torlosen Remis in Berlin hatte es an Tempo, Kreativität und Durchschlagskraft gefehlt. Für einen Aufstiegsaspiranten ist das zu wenig – das weiß auch Schalkes Direktor Profifußball Youri Mulder.
Der Niederländer sorgte nach Abpfiff mit einer ungewöhnlichen Forderung für Aufmerksamkeit. „Unser Spiel ist es eigentlich, aus dem Umschalten gefährlich zu werden. Wir leben vom Aggressivsein, von Intensität, davon, den Gegner zu stressen und die Bälle zu erobern“, erklärte Mulder gegenüber der WAZ.
Genau diese Qualitäten seien zuletzt verloren gegangen. Seine Konsequenz klingt paradox: „Wir müssen zwingend Fehlpässe spielen. Wir müssen uns trauen, mehr Risikopässe zu spielen.“ Der 56-Jährige meint damit nicht Schlampigkeit, sondern Mut. Sichere Querpässe mögen zwar fast immer ankommen, erzeugen aber selten Gefahr.
Schalke-Boss Youri Mulder fordert mehr Mut nach vorn
Risikobälle nach vorn hingegen können Ballverluste bedeuten – öffnen aber auch Räume. „Risikopässe nach vorn kommen zwar nicht immer an – aber wenn sie ankommen, wird es gefährlich“, so Mulder. Fehler seien dabei einkalkuliert. „Wenn jemand nach vorn kommt, sich aufdreht, dann einen Pass nach vorn spielt und den Ball verliert, ist es nicht schlimm. Hauptsache, er traut sich etwas.“
Gerade dieses Zutrauen vermisst Mulder aktuell bei mehreren Spielern. Vor allem über die Flügel kommt zu wenig Zielstrebigkeit, was auch mit dem Personal zusammenhängt. Verletzungen zwingen Trainer Miron Muslic zu Improvisationen, das System ist ohnehin eher auf Kampf als auf Kombinationsfußball ausgelegt. Mulder bringt es trocken auf den Punkt: „Es ist nicht so, dass wir links und rechts einen Lamine Yamal und einen Overmars aufstellen können, die Flanken schlagen und Tore schießen.“
Die Forderung nach mehr Fehlpässen ist also kein Selbstzweck, sondern ein Appell an mehr Mut und Vertikalität. Schalke soll wieder riskieren – auch um den Preis von Fehlern. Denn ohne Risiko bleibt am Ende nur sichere Harmlosigkeit.