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„Ich habe die Schnauze voll“: Ex-Schalke-Star Hajto teilt kräftig aus

Tomasz Hajto
Foto: IMAGO

Auf dem Platz war er kein Kind von Traurigkeit. Auch abseits des grünen Rasens nimmt Tomasz Hajto (51) kein Blatt vor den Mund. Die Lage des FC Schalke 04, mit dem er zweimal den DFB-Pokal gewann (2001, 2002), erschüttert und erzürnt den Polen gleichermaßen.


Viele Stürmer verzweifelten in der Bundesliga an der Abwehrkante. Hajto kassierte in der Bundesliga-Saison 1998/99 nicht weniger als 16 Gelbe Karten. So viele Verwarnungen erhielt in Deutschlands höchster Spielklasse bis 2019/20 kein anderer Spieler. Dann kam Paderborns Klaus Gjasula (33) und „verbesserte“ den Rekord auf 17.

In der aktuellen Saison schluckten die Königsblauen bereits 33 Gegentreffer – genauso viele wie der Tabellenletzte aus Osnabrück. Am Freitag (1. Dezember, 18.30 Uhr) treffen beide Klubs in der Veltins-Arena aufeinander. Mit einem Hajto in seinen besten Zeiten würde die Defensive der Schalker wohl nicht so löchrig sein.

Der WM-Teilnehmer von 2002 zeigt sich im Interview mit Reviersport schockiert vom Auftritt der Knappen beim 3:5 in Düsseldorf. Das, was er dort gesehen habe, „war erschreckend“, urteilt der 51-Jährige, der jüngst als Kampfsportler reüssierte. „Das alles tut mir einfach weh. Es kotzt mich einfach alles nur noch an“, findet er deutliche Worte.

„Viel Inkompetenz im Verein“

Nicht nur die Mannschaft steht bei ihm in der Kritik, auch die Verantwortlichen in der Führungsetage kommen nicht gut weg. „Es ist unfassbar, wie viel Inkompetenz im Verein herumläuft“, meint der 61-malige Nationalspieler. Er habe vor der Verpflichtung von Karel Geraerts (41) als neuem Chef-Trainer mit S04-Sportdirektor André Hechelmann (39) telefoniert, erzählt Hajto. Er habe ihm „den polnischen Meistertrainer Marek Papszun angeboten“, der „menschlich und fachlich überragend“ sei. Papszun (49) gewann mit Raków Częstochowa einmal den Titel in der polnischen Ekstraklasa (2023) sowie zweimal den nationalen Pokal (2021, 2022).

Hechelmann habe angekündigt, sich zurückzumelden. Doch das habe dieser nie gemacht, verrät der frühere Innenverteidiger. „Da denke ich: Mit welchen Amateuren habe ich da zu tun? Wenn man ein gestandener Mann, ein Sportdirektor ist, dann meldet man sich zurück und sagt gepflegt ab. Alles gut. Aber so?“

Hajto möchte, dass „die Menschen wieder Respekt vor Schalke haben“. So wie es derzeit laufe, könne es nicht weitergehen. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt der langjährige Profi wütend.

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Markus

Wenn Tomasz Hajto die sportliche Kompetenz auf Schalke so gut beurteilen kann, warum ist er dann nicht im Fusball tätig, sondern in den Kampfsport abgewandert? Für klingt das nach Frust, weil der von ihm angebotene Trainer nicht genommen wurde. Was der anders oder besser machen würde als Geraerts ist mir auch nicht klar. Aber jetzt kommen alle Ratten aus den Löchern. Das war schon immer so, wenn’s nicht läuft.