Das Endspiel-Drama von 2018: Schalke-Torwart Karius über seine schwärzeste Stunde

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Kaum ein anderer Profi hat die extremen Seiten des Fußballgeschäfts so hautnah miterlebt wie er. Loris Karius (33) stand im Finale der Champions League, bestritt monatelang kein Spiel – und ist jetzt wieder obenauf.
Die sicherlich folgenschwerste Partie seiner Karriere erlebte der Schalke-Torhüter im Jahr 2018. In einem Buch reflektiert Karius nun schonungslos dieses sportliche Drama und beleuchtet dabei die Reaktion seines damaligen Trainers Jürgen Klopp (heute 59).
Bis zum Endspiel der Champions-League-Saison 2017/18 zeigte sich Karius mit sechs Zu-Null-Spielen in prächtiger Form. Ausgerechnet im Finale gegen Real Madrid besiegelten zwei folgenschwere Patzer des Keepers die 1:3-Niederlage des FC Liverpool.
Obwohl eine spätere medizinische Untersuchung eine Gehirnerschütterung mit visueller räumlicher Dysfunktion diagnostizierte, die als Ursache für seine Fehlgriffe infrage kam, blieb Karius nicht von Spott und Morddrohungen verschont.
In Michael Horenis Neuerscheinung „Glaube, Liebe, Klopp: Jürgen Klopp und die Neuerfindung des Fußballs“ widmet sich der Schlussmann in einem eigenen Kapitel der Aufarbeitung des Endspiels. Dabei beleuchtet er auch intensiv das Verhältnis zu Klopp, berichtet Reviersport.
„Extrem scheiße gefühlt“
Beim Stande von 0:0 kam es zu jener folgenreichen Szene. Real-Rauhbein Sergio Ramos (40), der zuvor schon Mo Salah (34) verletzt hatte, traf den Keeper bei einer Ecke mit dem Ellbogen an der Schläfe. Karius beschreibt die Szene: „Es hat kurz geknallt, ich bin zu Boden. Wie es genau war, kann ich nicht mehr sagen.“ Der Schiedsrichter hinter dem Tor habe jedoch nicht eingegriffen. Das habe ihn „kurz verwirrt in dem Moment“.
„Nach dem Spiel hat sich natürlich jeder bei uns extrem scheiße gefühlt“, erinnert sich der S04-Profi. „Aber zu wissen, dass du mitverantwortlich bist für die Niederlage, macht es noch mal schlimmer. Ich habe mich auch schlecht gefühlt gegenüber meinen Mitspielern.“

Direkt nach dem Schlusspfiff weinte der Torhüter bitterlich auf dem Rasen. Klopp tröstete seinen Keeper erst nach kurzem Zögern. Karius zeigt im Buch jedoch großes Verständnis für das Verhalten seines Trainers: „Mir ist es lieber, jemand ist authentisch und ist dann gerade mit sich selber beschäftigt, als einer, der nach dem Abpfiff nur wegen der Kamera zu mir läuft, es aber nicht ernst meint“, erklärt er. Völlig ignoriert habe Klopp ihn keineswegs: „Er hat gemeint, wir kriegen das wieder hin. Ich solle in Ruhe die Sommerpause nutzen, dann greifen wir wieder an.“
Doch Alisson Becker (33) übernahm Karius‘ Posten. Der gebürtige Biberacher zog weiter zu Besiktas Istanbul, Union Berlin und Newcastle United. Sein fußballerisches Glück fand der Torhüter aber erst wieder auf Schalke.