„Nicht vorzeigbar“: Schalke-Boss Baumann kritisiert Knappenschmiede

Nach deutlicher Kritik von Schalke-Legende Norbert Elgert meldet sich nun auch Schalkes Sportvorstand Frank Baumann zu Wort. Er sieht bei der Knappenschmiede großen Nachholbedarf – und fordert Investitionen.
Die Schalker Knappenschmiede galt über viele Jahre als eine der besten Talentschmieden Deutschlands. Zahlreiche spätere Nationalspieler und Top-Profis machten auf Schalke ihre ersten Schritte im Profifußball. Doch inzwischen hat der Nachwuchsbereich der Königsblauen an Strahlkraft verloren. Sportvorstand Frank Baumann sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf.
In einer Sonderfolge des Podcasts 19:04 – Inside Schalke machte Baumann deutlich, dass der Verein seine Nachwuchsarbeit in mehreren Bereichen neu aufstellen müsse. Besonders deutlich wird er beim Blick auf die infrastrukturelle Situation am Berger Feld. „Die Infrastruktur ist nicht nur in Dortmund und Leverkusen besser, sondern auch bei fast allen Zweitligisten und bei Drittligisten“, erklärte der 50-Jährige und zeichnete damit ein ernüchterndes Bild.
Dabei seien die Trainingsplätze durchaus in einem guten Zustand. Ein zentrales Problem liegt jedoch darin, dass es auf Schalke bis heute kein eigenes Gebäude für das Nachwuchsleistungszentrum gibt. Die Jugendmannschaften nutzen weiterhin Container als Umkleiden. Das sorgt auch bei der Talentsichtung für Schwierigkeiten. „Wenn wir bei uns mit Talenten für die U17 oder U19 unterwegs sind, dann zeigen wir nicht die Kabinen. Die sind nicht vorzeigbar“, räumte Baumann ein.
Baumann will Schalkes Nachwuchsarbeit modernisieren
Neben der Infrastruktur sieht der Sportvorstand auch finanzielle Herausforderungen. Immer häufiger entscheiden sich junge Spieler bereits im Jugendalter für Vereine, die höhere Gehälter zahlen. „Viele Spieler entscheiden sich auch im Jugendbereich schon für das Geld“, sagte Baumann. Um im Wettbewerb um Top-Talente mithalten zu können, müsse Schalke künftig ebenfalls gezielter investieren.

Dabei denkt der Klubchef sogar über ungewöhnliche Maßnahmen nach. „Man muss dann vielleicht auch mal sagen, wenn es nötig ist, dass wir bei den Profis auf einen Kaderplatz verzichten“, erklärte Baumann. Hintergrund ist die wirtschaftliche Situation des Vereins: Auch in den kommenden Jahren wird Schalke stark auf Transfererlöse angewiesen sein – idealerweise durch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs.
Ein dritter Punkt betrifft die inhaltliche Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit. Für Baumann reicht es nicht, nur in Gebäude oder Spieler zu investieren. Auch Strukturen und Konzepte müssten modernisiert werden. „Wir müssen konzeptionell besser sein, können uns weiterentwickeln. Das beginnt auch im Scouting“, betonte der Sportvorstand.