Der Mann für die Big Points: Schalkes heimlicher Unterschiedsspieler

Er kam aus der Vereinslosigkeit und wurde skeptisch beäugt. Mittlerweile könnte er der beste Zweitligaspieler auf seiner Position sein.
Im Sommer 2025 wirkte es wie ein Transfer aus der Kategorie „Notlösung“. Ein Innenverteidiger, dessen Vertrag beim belgischen Mittelklasseklub OH Leuven nach nur 18 Ligaspielen nicht verlängert wurde. Er war fast zwei Monate vereinslos, dann schlug Schalke am 29.07.25 ablösefrei zu. Viele Fans fragten sich: Wie soll ein Spieler helfen, wenn selbst Leuven keine Verwendung mehr für ihn hat?
Genau das macht die Saison von Hasan Kurucay so bemerkenswert. Der in Odense geborene Innenverteidiger mit dänischer und türkischer Staatsbürgerschaft hat eine ungewöhnliche Laufbahn hinter sich: Odense, Næstved, Konyaspor, BK Marienlyst, Florø, Strømmen, HamKam, Braunschweig und Leuven sind keine Weltklubs in der bisherigen Karriere des 28-Jährigen.
Dennoch vertraute Schalke auf die Qualitäten des 1,87-Meter-Manns. Youri Mulder sagte zur ablösefreien Verpflichtung: „Mit Hasan verpflichten wir einen zweikampfstarken Innenverteidiger mit einer klaren Körpersprache. Er fühlt sich als Rechtsfuß auch auf der linken Innenverteidiger-Position sehr wohl und kennt die 2. Bundesliga.“ Der Spieler selbst erklärte: „Nach meinen Erfahrungen aus der 2. Bundesliga und der Schalker Arena war für mich klar, dass ich hier spielen möchte.“
Kurucay sicherte Schalke mit vier Toren bereits 12 Punkte
Sportlich steht Kurucay noch immer etwas im Schatten von Abwehrchef Nikola Katic. Er glänzt allerdings mit vielen Aktionen, die in keiner Statistik auftauchen: starke Spieleröffnungen, etwa vor dem wichtigen 1:0 gegen Fürth in der Hinrunde, und Klärungen auf der Linie, unter anderem gegen Kiel beim knappen 2:1-Auswärtssieg.
Von 25 möglichen Spielen fehlte er nur dreimal, und zwei dieser Spiele verlor Schalke. Zudem ist er als Innenverteidiger der drittbeste Torschütze der Knappen: vier Tore, genauso viele wie Hinrunden-Startelf-Stürmer Moussa Sylla. Nur Karaman und Dzeko trafen häufiger. Bei allen vier Toren gewann Schalke am Ende und ohne seine Treffer wäre es jeweils beim Remis geblieben. So half er mit seinen Treffern unter anderem, enge Spiele gegen Bochum, in Bielefeld, gegen Elversberg und gegen Kiel zu entscheiden.

Der Vergleich mit Abwehrchef Nikola Katic ist dabei spannend, weil sich beide S04-Innenverteidiger gut ergänzen: Katic gilt vielen als bester Verteidiger der Liga und ist im „Kerngeschäft Verteidigen“ stärker. Doch beim Topspeed und in der Spieleröffnung hat Kurucay die Nase vorn.
So könnte ein Ende-20-Jähriger, der vor wenigen Monaten noch vereinslos war und bei Stationen wie Odense BK, Næstved, Konyaspor und OH Leuven keinen großen Eindruck hinterlassen hatte, bei Schalke zum heimlichen Aufstiegshelden werden und künftig sogar gegen Kane & Co. verteidigen.