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Neues Schalke-System bereits gescheitert? Muslic reagiert

Miron Muslic
Foto: IMAGO

Nach dem Derby in Bochum steht Schalkes neues Abwehrsystem früh auf dem Prüfstand. Trainer Miron Muslic erklärt die Umstellung, räumt Probleme ein und hält dennoch an seinem Kurs fest.


Der erste größere Umbruch unter FC Schalke 04 ist gründlich misslungen. Beim 0:2 im Derby beim VfL Bochum präsentierten sich die Königsblauen defensiv ungewohnt anfällig – ausgerechnet in dem Spiel, in dem Trainer Miron Muslic erstmals von der bewährten Dreier- auf eine Viererkette umstellte.

Schon früh geriet Schalkes Abwehr unter Dauerdruck. Bochum nutzte die fehlenden Automatismen konsequent, kam immer wieder bis zur Grundlinie und schlug gefährliche Hereingaben. Koji Miyoshi und Philipp Hofmann entschieden die Partie, während Torhüter Loris Karius mehrfach Schlimmeres verhinderte.

Muslic erklärte die Systemänderung mit der angespannten Personallage. Gleich mehrere Außenverteidiger fehlten verletzt oder gesperrt. „Wenn du keine Wingbacks hast, kannst du nicht mit Wingbacks spielen“, stellte der 43-Jährige laut WAZ klar und ergänzte: „Wir können sie nicht ersetzen.“ Die Umstellung kam für den Gegner jedoch nicht überraschend. Bochums Trainerteam hatte sich vorbereitet und nutzte die Schalker Schwächen über die Flügel gnadenlos aus.

Trotz der augenfälligen Probleme wollte Muslic den taktischen Kniff nicht als Hauptursache für die Gegentore gelten lassen. „Das System war heute nicht die Ursache für die beiden Gegentreffer“, betonte er nach dem Spiel. Vielmehr seien individuelle Fehler entscheidend gewesen. Besonders beim zweiten Bochumer Treffer wurde der Coach deutlich: „Das war extrem schlecht verteidigt.“

Schalke-Trainer Miron Muslic schützt Timo Becker

Im Fokus stand dabei auch Timo Becker, der nach langer Verletzungspause sichtbar noch nicht bei 100 Prozent ist. Muslic nahm seinen Vizekapitän in Schutz und kündigte Geduld an: „Wir wissen alle, dass man zwei, drei Spiele braucht, um einen Rhythmus zu bekommen.“ Gleichzeitig machte er klar, dass Spielpraxis der einzige Weg zurück zur Form sei: „Diesen Rhythmus wird er nie bekommen, wenn er nicht spielt.“

Grundsätzlich will Muslic trotz des Fehlstarts am neuen System festhalten. „Wir wollen jetzt die Initiative ergreifen und uns verändern“, erklärte er mit Blick auf die Zukunft. Anlaufschwierigkeiten nehme er bewusst in Kauf: „Dass wir vielleicht ein, zwei Spiele brauchen werden, bis wir uns da finden, nehme ich in Kauf.“ Ein späterer Richtungswechsel aus Nervosität komme für ihn nicht infrage.

Schon im kommenden Heimspiel gegen Dynamo Dresden soll sich zeigen, ob das neue Schalke-Gesicht tragfähig ist – oder ob die Viererkette doch schneller zur Disposition steht als geplant.